Page : Zusammenfassung
Städtische Grünflächen fördern die psychische Gesundheit von Erwachsenen, und es gibt vermehrt Hinweise, dass Artenvielfalt hierbei auch eine Rolle spielt. Wir wissen jedoch nur sehr wenig über die Auswirkungen der städtischen Artenvielfalt auf das Wohlbefinden von Kindern im Vorschulalter, obwohl die ersten prägenden Jahre der Kindheit von entscheidender Bedeutung für ihre Entwicklung sind. Erstaunlicherweise werden Spielplätze nur selten als eigenständige Einheit in Klassifizierungen und Beschreibungen städtischer Grünflächen aufgeführt, obwohl Grünflächen in Europa detailliert klassifiziert und beschrieben sind und obwohl Spielplätze die von Kindern am meisten genutzten öffentlichen Freiflächen sind.
Im vorliegenden Artikel arbeiten wir mit einem interdisziplinären Ansatz, um Pflanzenvielfalt und Biotopstruktur von 28 Spielplätzen in Stuttgart, Deutschland, zu beschreiben und deren Auswirkung auf das Wohlbefinden und die Naturverbundenheit von Kindern im Vorschulalter zu untersuchen.
Wir zeigen, dass die untersuchten Spielplätze eine große Pflanzenvielfalt aufweisen. Die Vegetation wird zwar von häufigen Rasenarten dominiert, enthält aber dennoch eine Vielzahl von verschiedenen Pflanzenarten, z.B. typische Wiesen‐ und Ruderalarten, sowie einige seltene Pflanzenarten.
Die Ergebnisse zeigen auf der einen Seite einen positiven Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Kinder und der Gehölzvielfalt auf den untersuchten Spielplätzen, auf der anderen Seite einen negativen Zusammenhang mit dem generellen Vorkommen von Grünstrukturen in der Wohnumgebung. Zudem variiert das Wohlbefinden der Kinder zwischen den Jahreszeiten; im Winter ist es am größten. Der soziodemografische Hintergrund ist eine besonders wichtige Variable, um das Wohlbefinden der Kinder zu erklären. Hierbei ist das Wohlbefinden größer bei Kindern, die in Kernfamilien und in dicht bebauten Stadtvierteln leben.
Sowohl bei Kindern, als auch bei den Menschen, die sie betreuen, war eine ausgeprägtere Naturverbundenheit mit einem gesteigerten Wohlbefinden der Kinder verbunden. Die Naturverbundenheit der Kinder variierte außerdem mit den Jahreszeiten, wobei höhere Werte für Frühling und Sommer verzeichnet wurden.
Synthese und Übertragbarkeit. Die Ergebnisse assen vermuten, dass das Wohlbefinden von Vorschulkindern verbessert werden kann, die mit einfachen Massnahmen bei der Gestaltung von Grünflächen zusammenhängen. Zum Beispiel kann die Vielfalt der Gehölzarten erhöht werden, also mehr unterschiedliche Bäume und Sträucher eingebracht werden. Solche Maßnahmen zur Verbesserung der Naturverbundenheit von Kindern schon in einem frühen Alter könnten entscheidend das Wohlbefinden steigern.